KIRCHE Ideen und Argumente einbringen


Pfarrei neuen Typs entsteht

aus Rhein-Lahn-Zeitung Nr. 300, vom 24. Dezember 2016

KIRCHE Ideen und Argumente einbringen

Mittelrhein: Zehn Pfarreien des Pastoralen Raumes Mittelrhein und des Blauen Ländchens machen sich auf den Weg, sich zu einer Pfarrei neunen Typs zu formieren. „Wir werden Eins“ steht auf dem Arbeitslogo und einer Kerze, die im Laufe eines Jahres alle zehn Kirchengemeinden des Pastroralen Raumes Mittelrhein besuchen wird.

Es wurden verschiedene Arbeitsgruppen gebildet. Sie untersuchen Lebensbereiche der Gemeinden. Vom Pastoralausschuss werden Vorsschläge entgegen genommen und diskutiert. Am Ende steht die Vereinbarung zur Gründung der neuen Pfarrei. Bis dahin ist ein langer Weg. Zahlreiche Herausforderungen müssen gesehen und angepackt werden, damit es keine faulen Kompromisse gibt. Am Ende soll jede jetzige Kirchengemeinde ihre Unterschrift geben können. Damit das gelingt, sollte auch in Zukunft Kirche überschaubar und nah am Ort bleiben, die Kirche sollte weiterhin „ein Gesicht vor Ort „ haben.


Einen Namen braucht die Pfarrei
Wenn vielleicht das Ändern lieb gewordenen Traditionen notwendig wird, glauben trotzdem viele Gemeinderäte, dass es vor Ort genügend Christen gibt, die das Leben der Gemeinde dort weiter prägen. Ein Meilen stein auf dem Weg zur Pfarrei wird es sein, einen Namen für die neue Pfarrei zu finden. Das bischöfliche Ordinariat empfiehlt eine Namen zu wählen, der bisher kein Pfarreiname war. Es werden gegenwärtig Namen diskutiert, wie St. Franziskus, St. Marien, St. Elisabeth oder St. Jakobus. Auch wenn die Pfarrei neuen Typs einen neuen Namenspatron erhält , bleiben die Namen der Kirchen unangetastet.

Wer gerne mitdiskutieren möchte, kann sich an die Pfarrgemeinderatsmitglieder seiner Kirchengemeinde wenden oder eine E-Mail senden an
pfarreiwerdung@outlook.de
 

 


01. Januar 2012; Neue Gestalt des Bistums Limburg wird Wirklichkeit


Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat folgende Entscheidung für den Bezirk Rhein-Lahn getroffen:

Dekret des Bischofs      
(bitte anklicken)

 

Zum 1. Januar 2012 werden im Bezirk die folgenden neuen Pastoralen Räume errichtet:

  • Pastoraler Raum Nassauer Land - Bad Ems, ab 01.01.2013 Pfarrgemeinde St. Martin, Bad Ems, bleibt in den bisherigen Grenzen bestehen.

  • Pastoraler Raum Lahnstein wird um die Pfarrei HI. Geist, Braubach, erweitert.

  • Pastoraler Raum Mittelrhein besteht aus den jetzigen Pastoralen Räumen Loreley, Nastätten/Schönau und Braubach/Kamp-Bornhofen.

Auf dem Weg zu Pfarreien "neuen Typs"


Das Bistum Limburg steht vor großen Veränderungen: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst will die Zahl der Pfarreien von 250 auf 45 verringern. Im Interview erklärt er seine Beweggründe und welche Chancen er darin sieht.

Die Pfarrreform im gesamten Bistum ist ein großer Schritt für viele Gläubige - warum ist sie notwendig?

Tebartz-van Elst: Wir leben in einer Zeit vieler Veränderungen. Eine der größten Veränderungen für uns in Limburg ist die demografische Entwicklung. Das Bistum verliert jedes Jahr aufgrund der Tatsache, dass weniger Kinder geboren werden, 8.000 Katholiken. 1982 waren wir noch eine Million, jetzt sind wir 655.000. Auf diese Veränderungen müssen wir uns einstellen. Wir müssen schauen: Wie können wir Christen sammeln, und wie kommt die Ausstattung ins Verhältnis zu der Zahl der Katholiken, die wir haben.

Aber es geht nicht nur um die Finanzen, sondern auch um andere Einschränkungen.

Das sind sogar die viel gravierenderen. Es geht darum: Wie können wir im Glauben lebendig werden. Wie können wir in den Gemeinden auch erfahren, dass wir viele sind. Das ist gerade für junge Christen eine Ermutigung. Bei der Ministranten-Wallfahrt im vergangenen Jahr haben Jugendliche sich selbst das Motto gegeben "Wir sind viele".

Es gibt aber auch einen Mangel an Bewerbern, etwa für das Pfarramt.

Wir stehen in einer sehr komplexen Entwicklung. Ich beobachte seit drei Jahren mit großer Freude, dass die Zahl der Priesteramts-Kandidaten in unserem Bistum zunimmt. Bei den Pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat die Zahl in den vergangenen Jahren dagegen abgenommen. Auch darauf müssen wir uns einstellen, das bedeutet, dass Christen aus Taufe und Firmung unbedingt das Leben der Gemeinden mitgestalten müssen. Dafür wollen wir in diesem Jahr eine Schule des Glaubens und der Gemeinschaft gründen, um Ehrenamtliche zu gewinnen.

Für viele ist es wichtig, ihr Katholisch-Sein auch zu erleben. Doch nach der Reform haben vielleicht weniger mit der richtigen Messe zu tun als vorher.

Es ist gerade ein Anliegen, bei den Veränderungen darauf zu achten: Wir sind Kirche aus der Eucharistie, die wir am Sonntag erlebbar machen wollen. Gleichzeitig wollen wir in der Seelsorge die Nähe vor Ort vorhalten. Wenn wir zu Pfarreien "neuen Typs" kommen, heißt das nicht Zentralisierung. Wir wollen vor Ort präsent sein, aber gerade die Eucharistie ist Sammlung auch über Dorfgrenzen hinweg. Hier ist es wichtig, auch Bereitschaft zur Bewegung aufzubringen - das können wir lernen von den Teilen unseres Bistums, die Diaspora sind, etwa der Bereich Lahn-Dill-Eder oder Wetzlar, wo die Bereitschaft zur Bewegung immer gegeben war.

250 Pfarreien sollen zu 45 zusammengelegt werden bis 2019. Ist das nicht auch ein großer logistischer Kraftakt?

Wir stellen uns im Bistum sehr sorgfältig darauf ein. Am Anfang steht die Visitation des Bischofs im Bezirk. Das bedeutet für mich, dass ich mit vielen Menschen ins Gespräch komme. Danach werten wir die Gespräche aus und geben Vorschläge zur Beratung in die Bezirke. Dann schauen wir, wieweit Änderungswünsche im Rahmen des Gesamtplans machbar sind.

Mit Ihrem neuen Konzept wird es keine Pfarrgemeinderäte alten Stils mehr geben. Es gibt zwar nur wenige, die den Plänen widersprechen - aber können Sie deren Kritik nachvollziehen?

Es wird auch künftig Pfarrgemeinderäte geben - aber sie werden größer in den Pfarreien neuen Typs. Dass Christen sich hier engagieren können, darf nicht verloren gehen. Aber um genügend Kandidaten zu finden, brauchen wir schon größere Einheiten. Außerdem müssen wir künftig schauen: Wo sind Menschen mit ganz besonderen Charismen, die sich möglicherweise nicht zur Wahl stellen.

Es geht ja vor allem um die Sorge, dass der familiäre Bezug zum Priester verloren geht, wenn der plötzlich für viel mehr Gemeinden zuständig ist.

Wir wollen in den neuen Pfarreien "Navigatoren" zur Verfügung stellen, die den Gemeinden die vielfältige Verwaltungsarbeit abnehmen. Hier haben wir für dieses Jahr schon vier neue Stellen geschaffen. Zudem sagen viele jüngere Priester, dass es für sie eine attraktivere Perspektive ist, für einen größeren Raum Verantwortung zu übernehmen. Ich kann die Ängste verstehen, möchte aber dafür werben, dem Neuen etwas zuzutrauen und mit Wohlwollen diesen Weg mitzugehen, den wir alle nur miteinander gehen könne
 
Warum gibt es immer weniger Kirchenmitglieder? Wirkt die Diskussion um Missbräuche im vergangenen Jahr immer noch nach?

Ich glaube, es gibt viel tiefer liegende Gründe. Die "Säkularisierung" fordert beide großen Kirchen in Deutschland sehr stark heraus. Auf der anderen Seite gibt es eine neue Frage nach Gott in unserer Gesellschaft, und es ist wichtig, dass wir da auskunftsfähig sind. Und wo der Glaube zur persönlichen Erfahrung geworden ist, können die Menschen auch mit anderen darüber sprechen.

Aber auch mancher Katholik wird sagen: Vielleicht liegt es auch daran, dass die Kirche sich zu wenig bewegt und gesellschaftliche Entwicklungen zu wenig reflektiert.

Das zweite vatikanische Konzil hat schon gesagt, dass es darauf ankommt, die Zeichen der Zeit wahrzunehmen - aber sie im Licht des Evangeliums zu deuten. Ich glaube, dass es ein unglaublicher Schatz ist, dass wir Weltkirche sind. Ein einendes Bekenntnis ist die Stärke der katholischen Kirche. Es darf nicht um eine Anpassung an den Zeitgeist gehen, aber wir müssen das, was wir für uns als so wichtig erkennen, auch begründen.

Immer weiter Reduzieren oder offensiver um Gläubige werben - Welche Zukunft sehen sie für das Bistum?

Wir tun den Schritt der Strukturveränderung, weil wir hoffen, dass es genügend Menschen in den Gemeinden gibt, die diese Schritte mit gestalten. Zu warten, bis es gar nicht mehr anders geht, könnte sehr gefährlich sein. Gleichzeitig müssen wir stärker den Mut zu Mission entwickeln, präsent in der Gesellschaft sein und zu unseren Positionen stehen.


 

. . . informieren Sie sich und gestalten Sie mit

Pfarrversammlung am 26. August 2011 in Filsen zum Thema

Sie haben bestimmt schon gehört oder gelesen, dass im Bistum Limburg  Pfarreien neuen Typs entstehen sollen. Das bedeutet, dass zunächst im Bezirk Rhein-Lahn insgesamt 3 pastorale Räume gebildet werden (Lahnstein, Nassauer Land und Loreley-Nastätten). Der Kirchort Filsen soll nach dieser Neuordnung ab 1.1.2012 zum pastoralen Raum (später Pfarrei) Lahnstein gehören.

Bis Ende September  haben die verschiedenen Gremien die Möglichkeit eine Stellungnahme zu dieser Planung abzugeben. Damit auch Sie die Möglichkeit haben sich umfassender zu informieren oder Ihre Meinung mitzuteilen, wird am 26. August 2011 im Pfarrheim Filsen eine Pfarrversammlung stattfinden. Es wird dann auch der Bezirksreferent M. Steiger anwesend sein. Sie können sich natürlich auch jeder Zeit an die Pfarrgemeinderatsmitglieder wenden (persönlich oder schriftlich).

 

klicken Sie hier und Sie können sich den Zuschnitt der neuen Pfarreien ansehen


 

 

Künftige Pastorale Räume und Pfarreien neuen Typs im Bezirk Rhein-Lahn


(in Anlehnung an das Protokoll der Sitzung des Bezirkssynodalrates Rhein-Lahn am 31.5.2011)

 

Die Kirche hat Anteil am gesellschaftlichen und kulturellen Wandel der letzten Jahrzehnte:

  • Die Bevölkerungszahl nimmt ab. Der Katholikenanteil sinkt. Die christliche Bevöl-kerung ist im Schnitt älter als die Gesamtbevölkerung.
  • Das Gesamtbild der Gemeinden wird älter. Die aktiven Jahrgänge (45 – 50jährige) gehen in den nächsten Jahren um 50% zurück.

 

  • Personal: Immer weniger Priester sind im aktiven Dienst (in 10 Jahren etwa 50 Diözesanpriester). Die Berufsgruppe der pastoralen Mitarbeiter hat nur einen schwachen Zugang. Ab 2020 werden innerhalb von 10 Jahren die Hälfte der pastoralen Mitarbeiter verrentet.


Zur zukünftigen Struktur im Bezirk Rhein-Lahn

Vorgesehen sind 3 Pastorale Räume, die jeweils zu einer Pfarrei neuen Typs werden:

  • Lahnstein mit Braubach, Osterspai, Filsen
  • Naussauer Land (= aktueller Pastoraler Raum)
  • Loreley-Nastätten (Pastorale Räume Loreley, Nastätten-Schönau und Kamp-Bornhofen)

Bisher bestehende Räume sollten bei der Überprüfung der Zuschnitte nicht geteilt werden. Im Fall des Bezirks Rhein-Lahn wurde dies jedoch seitens des Bischöflichen Ordinariats als notwendig eingeschätzt.

Daher ergibt sich folgender Vorschlag für den Pastoralen Raum Braubach/Kamp-Bornhofen:

  • Kamp-Bornhofen zum Pastoralen Raum Loreley-Nastätten
  • Braubach, Osterspai und Filsen zum Pastoralen Raum Lahnstein.

Hier ergeht an die Gremien und an jede Gemeinde die Bitte, diese Planung zu beraten und gegebenenfalls Änderungen mitzuteilen. Eine weitere Reduzierung auf 2 Pfarrgemeinden ist möglich, wenn der Personalbestand dies erforderlich macht. Dies wären dann die Pfarrgemeinden Loreley -Nastätten und Lahnstein-Bad Ems.


Einige Gedanken zu der Frage: Was ist eine Pfarrei neuen Typs?
Wenn Pfarreien Neuen Typs entstehen, geht es nicht um einen Rückzug der Kirche oder  eine Zentralisierung. Eine Pfarrei ist eine auf Dauer vom Bischof errichtete Gemeinschaft von Gläubigen, die einem Pfarrer anvertraut ist. Bereits jetzt besteht eine Pfarrei aus mehreren Kirchorten, diese können sich auch weiterhin als Gemeinde verstehen. Es geht um eine Aufgabe kirchlichen Lebens im Ort, sondern innerhalb der künftigen Pfarrei wird es eine Vielzahl untereinander verbundener Orte kirchlichen Lebens geben können, die jeweils über sich hinaus verweisen, da Kirche immer auch einen Sendungsauftrag hat.
Es wird eine Pfarrkirche (hier St. Martin Lahnstein) geben. In den anderen Kirchen (Kirchorte) wird weiterhin Liturgie, auch Eucharistie gefeiert werden. Die Patronatsfeste bleiben erhalten.


Es wird ein Pfarramt und ein zentrales Pfarrbüro geben. In den Kirchorten können Sprechzeiten eingerichtet werden.


Es wird einen Pfarrgemeinderat in der Pfarrei neuen Typs geben. Ihm obliegt die Verantwortung für das pastorale Geschehen. Ortsausschüsse soll koordinieren, was vor Ort entschieden werden muss. Der Verwaltungsrat in der größeren Pfarrei wird entlastet durch Navigatoren (Hauptamtliche, die am Rentamt angesiedelt sind) und durch Gattungsvollmachten für Einzelpersonen (vom Verwaltungsrat ermächtigte Personen, die einzelne Objekte im Kirchort betreuen).