Das Bopparder Kreuz auf der Filsener Ley

Erinnerung an die Beschießung der Stadt Boppard
im „Bopparder Krieg“ von 1497

von Alfred Neckenich

veröffentlicht im
"Rhein-Hunsrück-Kalender 2008"
"Heimatjahrbuch 2008 des Rhein-Lahn-Kreises"

Hoch über der Bopparder Fähre, auf dem Felsen der Filsener Ley, steht seit über 100 Jahren weithin sichtbar, ein großes Holzkreuz. Der Standort des Kreuzes bietet den von Filsen kom-menden Wanderern des Rheinsteiges eine willkommene Gelegenheit zu einer ersten Ver-schnaufpause. Der Anstieg hat`s in sich. Entschädigt wird man allerdings von einem herrlichen Rundblick über Filsen und den Bopparder Hamm, über die Stadt Boppard mit den geschichtlichen Zeitzeugen St. Severus-Kirche, Karmeliter-Kirche und der alten Burg und über das rheinaufwärts gelegene Kamp-Bornhofen mit den beiden Burgen Sterrenberg und Liebenstein im Hintergrund.
Nur wenige wissen um die Bedeutung dieses Kreuzes, welches bereits im Sommer des Jahres 1904 von dem Bopparder Apotheker Georg Franke errichtet worden war. Für die Bewohner und Reisenden im Rheintal sollte das hoch auf der Filsener Ley stehende Kreuz Erinnerung sein an eine schmerzliche Epoche des ehemaligen Bopparder Reiches.

Das Bopparder Reich mit der befestigten Stadt Boppard als wirtschaftlicher und politischer Mittelpunkt, das sich seinerzeit auf der linken Rheinseite von der Gründelbach bei St. Goar, über den vorderen Hunsrück und entlang des Tauberbaches bei Brey bis zum Rhein und rechtsrheinisch entlang des Wellmicher Baches über die Büchelborner Höfe, dem Dinkholderbach entlang wieder bis zum Rhein erstreckte, unterstand über Jahrhunderte hinweg direkt dem deutschen Kaiser.
Mit dieser Reichsunmittelbarkeit waren für Boppard eine Reihe von Privilegien und Freiheiten verbunden. So hatte das Bopparder Reich ein eigenes Markt-, Münz- und Zollrecht und eine eigene Gerichtsbarkeit. Es unterstand keinem Landesherrn, keinem Kurfürsten, und entrichtete seine Steuern und Dienstleistungen direkt an das Reich.
Im Jahre 1312 verpfändete nun der deutsche Kaiser Heinrich VII. das Bopparder Reich an seinen Bruder Balduin von Luxemburg, den Erzbischof von Trier. Dieser hatte den deutschen Kaiser bei seinem Zug gegen Rom, in dessen Folge Heinrich im Juni 1312 zum deutschen Kaiser gekrönt worden war, unterstützt. Mit dieser Verpfändung verlor Boppard mehr und mehr seine Freiheiten, nahmen die Steuern, Abgaben und Kontributionen an das Erzbistum Trier deutlich zu.
 
Der Bopparder Adel und die Bürger versuchten mehrmals und teils mit kriegerischen Mitteln, die ehemalige Reichsunmittelbarkeit zurückzuerlangen. Bereits 1327 demonstrierte Balduin von Luxemburg seine Macht und unterwarf sich die Stadt, danach begann er mit dem Bau der noch heute bestehenden kurtrierischen Burganlage als äußeres Zeichen seiner Machtherrschaft.

Die Bopparder gaben ihre Bemühungen um die Wiedererlangung ihrer Freiheit nicht auf und so kam es im Sommer 1497 erneut zu kriegerischen Auseinandersetzungen.

Mit 12.000 Mann und mehr als 50 Geschützen und Kanonen zog der damalige Erzbischof von Trier, Johann von Baden, gegen die Stadt. Hier hatte man die kurtrierische Besatzung der Burg festgesetzt, hatte eigens die Stadtmauer ausbessern und verstärken lassen und sich mit einer überschaubaren Anzahl von angeworbenen und verpflichteten Söldnern und einigen Kanonen verschanzt.
Der Kurfürst zog mit einem Heer von Söldnern von Ehrenbreitstein aus am Rhein entlang bis nach Osterspai und hier über den Berg. Auf dem linken Rheinufer zog von St. Goar kommend ebenfalls ein Tross von Soldaten gegen die Stadt und unterwarf beim Vorgehen einige zum Bopparder Reich gehörende Dörfer.

Auf dem Filsener Berg, unmittelbar gegenüber der Stadt, wurden mehrere Geschütze in Stellung gebracht, allerdings soll das größte kurtrierische Geschütz, die „Ungnade“, wegen des schwierigen Geländes nicht zum Einsatz gekommen sein.

Am 23. Juni 1497 wurde sowohl von Filsener Seite, als auch von den aus Richtung Salzig anrückenden Truppen mit dem Beschuss der Stadt begonnen. Die Stadt wurde heftig getroffen und am 27. Juni 1497 kam dabei der Bopparder Verteidiger, Ritter Sigfrit von Schwalbach, mit einem seiner Knechte zu Tode. Sein Grabmal in der Bopparder Karmeliterkirche gehört zu den noch vorhandenen Zeugnissen an jene Auseinandersetzung.

In den folgenden Tagen wurde die Lage der Bopparder immer schlechter. Die erhoffte Unterstützung durch König Maximilian oder die Wormser  Reichsversammlung blieb aus, die deutliche Übermacht der kurtrierischen Angreifer ließ den Mut und die Hoffnung der Verteidiger bald schwinden. Am 3. Juli 1497 ergaben sich die Verteidiger und am Folgetag ritt der Erzbischof mit großem Gefolge als Sieger in der Stadt ein. Tags darauf ließ er alle Bopparder Adelige und Bürger auf den Marktplatz zusammenrufen und nachdem die Kapitulationsurkunde verlesen war, musste jeder Einzelne vor ihm auf den Knien auf seine Treue schwören.
Die Bewohner der zum Bopparder Reich gehörenden rechtsrheinischen Dörfer wurden in Kamp zusammengerufen und auch sie mussten ihre Treue auf den Erzbischof schwören.

Mit dem Einmarsch der Franzosen in der Stadt Boppard am 29. Oktober 1794 endete das Bopparder Reich. Für die rechtsrheinischen Gebiete des „alten Reiches“, darunter auch die kleine Rheingemeinde Filsen, ging damit eine über mehr als 700-jährige Zugehörigkeit zu Boppard zu Ende. Zunächst wurde die Region in einem Amt Wellmich mit Sitz in Camp zusammengefasst. Im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 wurde das Gebiet Nassau-Weilburg zugesprochen und der Regierung in Ehrenbreitstein unterstellt. Bereits 1813 wurde das Amt Wellmich wieder aufgelöst und Filsen kam zum Amt Braubach im Regierungsbezirk Wiesbaden. 1866 wurde Filsen preußisch, es gehörte fortan zur Provinz Hessen-Nassau.

Das "Bopparder Kreuz“ mit Blick auf die Karmeliterkirche.